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Extremer Schneefall in einem österreichischen Alpendorf mit hohen Schneewänden und Schneepflug
Wetter ÖsterreichWetterToni Redaktion

Meterweise Schnee, abgeschnittene Täler: Österreichs heftigste Schneefälle der letzten 50 Jahre

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Österreich kennt Winter, in denen Schnee nicht nur den Verkehr erschwert, sondern ganze Regionen an ihre Grenzen bringt. Ein einziges, amtliches Ranking der «heftigsten Schneefälle» der vergangenen 50 Jahre gibt es nicht: Tagesneuschnee, mehrtägige Neuschneesumme, Schneehöhe, Schneelast und Lawinenfolgen messen unterschiedliche Aspekte. Einige Ereignisse stechen in den Messreihen und Berichten aber klar hervor.

1986: 170 Zentimeter Neuschnee in nur einem Tag

Ein Extremwert kommt aus Osttirol. In Sillian wurden am 1. Februar 1986 170 Zentimeter Neuschnee innerhalb eines Tages gemessen. Dieser Wert wird als österreichischer Rekord für die Tagesneuschneemenge geführt. Er zeigt, wie explosiv eine Südstau- oder Südweststaulage in Osttirol werden kann, wenn sehr feuchte Luft an den Alpen gehoben wird.

1999: Der Lawinenwinter, der Galtür veränderte

Der Winter 1998/99 gehört zu den einschneidendsten Schnee- und Lawinenwintern der jüngeren österreichischen Geschichte. Mehrere intensive Nordwest-Staulagen folgten in kurzen Abständen aufeinander. Dadurch konnte sich die Schneedecke zwischen den Niederschlagsphasen kaum stabilisieren.

Am 23. Februar 1999 traf eine gewaltige Lawine Galtür im Paznaun. In Galtür starben 31 Menschen, im nahe gelegenen Valzur weitere sieben. Der Winter führte in Österreich zu aussergewöhnlich vielen Schadenslawinen und umfangreichen Evakuierungen. Messreihen aus Tirol zeigen beispielsweise am Boden Lechtal am 25. Februar 1999 eine Schneehöhe von 190 Zentimetern.

2005/06: enorme Schneelasten bis in tiefere Regionen

Der Winter 2005/06 war weniger durch ein einzelnes alpines Katastrophenereignis geprägt als durch aussergewöhnliche Schneedecken und Schneelasten in mehreren Bundesländern. Zeitgenössische ZAMG-Auswertungen beschrieben in einzelnen Regionen Schneemengen, wie sie seit 50 bis 60 Jahren nicht mehr beobachtet worden waren.

In Lunz am See wurden im Jänner 2006 115 Zentimeter Schneehöhe gemessen, in Lilienfeld 95 Zentimeter, in Villach 80 Zentimeter. Auch Freistadt erreichte damals mit 42 Zentimetern einen Rekord der dortigen Messreihe. Untersuchungen zu extremen Naturereignissen in Österreich weisen darauf hin, dass Schneehöhen des Winters 2006 in manchen betroffenen Gebieten statistische Wiederkehrzeiten von über 100 Jahren erreichten.

Jänner 2019: 4,51 Meter Neuschnee in 15 Tagen in Hochfilzen

Der Jänner 2019 lieferte eine der eindrucksvollsten Serien der modernen österreichischen Schneemessung. Innerhalb von nur 15 Tagen wurden in Hochfilzen 451 Zentimeter Neuschnee registriert. In Seefeld waren es 283 Zentimeter, in Bad Mitterndorf 270 Zentimeter, in Lofer 263 Zentimeter, in Abtenau 240 Zentimeter und in Kufstein 168 Zentimeter.

Mehrere dieser Werte stellten neue Rekorde der jeweiligen langjährigen Messreihen dar. Besonders bemerkenswert war Seefeld, wo Messungen bis 1895 zurückreichen. Die enorme Schneezufuhr war Folge wiederholter Nord- bis Nordweststaulagen. Feuchte Luft wurde gegen die Alpennordseite geführt, gehoben und schneite sich über viele Tage hinweg aus.

2020/21: Osttirol unter extremer Schneelast

Auch der Winter 2020/21 schrieb Geschichte – besonders in Osttirol. Der Saisonbericht der österreichischen Lawinenwarndienste beschreibt in tiefen Lagen des Isel-, Drau-, Puster- und Mölltals maximale Schneemassen von ungefähr 450 Kilogramm pro Quadratmeter.

Die Fachleute kamen zum Schluss, dass ein solches Schneelastereignis in diesen Gebieten wahrscheinlich seit rund 140 Jahren nicht aufgetreten war. Die damaligen Normwerte für ein 50-jährliches Ereignis wurden deutlich überschritten. Zahlreiche Dächer wurden beschädigt oder mussten vorsorglich abgeschaufelt werden.

Warum trifft es bestimmte Regionen immer wieder?

Österreich liegt genau dort, wo feuchte Luftmassen aus mehreren Richtungen an einem hohen Gebirge gestaut werden können. Bei Nord- und Nordwestströmungen bekommen vor allem Vorarlberg, das Tiroler Unterland, Salzburg, Oberösterreich und die nördliche Steiermark grosse Schneemengen. Bei Süd- und Südwestlagen verlagert sich der Schwerpunkt nach Osttirol, Kärnten und in Teile der südlichen Alpen.

Die Berge zwingen die feuchte Luft zum Aufsteigen. Sie kühlt dabei ab, Wasserdampf kondensiert und bei ausreichend tiefen Temperaturen fällt Schnee. Bleibt die Strömung über Tage nahezu unverändert, summieren sich die Mengen. Genau diese wiederholten Staulagen machten 1999 und 2019 so aussergewöhnlich.

Nicht nur die Schneehöhe entscheidet über die Gefahr

Ein Meter lockerer Pulverschnee ist für ein Dach etwas anderes als ein Meter alter, verdichteter oder nasser Schnee. Deshalb können Schneelast-Ereignisse gefährlich werden, ohne dass eine Station einen absoluten Schneehöhenrekord meldet. Hinzu kommen Windverfrachtungen: Starker Wind transportiert Neuschnee in Leehänge und bildet Triebschnee, wodurch die Lawinengefahr stark steigen kann.

Die markantesten Ereignisse der letzten 50 Jahre

Unter verschiedenen Gesichtspunkten ragen damit mehrere Winter heraus: Sillian 1986 wegen des extremen Tagesneuschnees, der Lawinenwinter 1999 wegen seiner katastrophalen Folgen, 2005/06 wegen aussergewöhnlicher Schneehöhen und Schneelasten in vielen Regionen, der Jänner 2019 wegen rekordverdächtiger 15-Tage-Neuschneesummen und Osttirol 2020/21 wegen einer aussergewöhnlichen Schneelast.

Sie zeigen zugleich, warum eine einfache Rangliste zu kurz greifen würde. Österreichs heftigste Schneeereignisse unterscheiden sich in ihrer Entstehung und Wirkung – vom meterhohen Neuschnee in kurzer Zeit bis zu wochenlang aufgebauten Schneemassen, die Dächer, Verkehrswege und ganze Täler belasten.