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Föhn ohne Mythos: Warum es südlich der Alpen regnen und nördlich gleichzeitig sonnig und warm sein kann

Föhn gehört zu den markantesten Wetterphänomenen Österreichs. Während es auf einer Alpenseite regnet oder schneit, kann auf der anderen Seite trockene, warme und oft böige Luft in die Täler durchbrechen. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Effekt, sondern das Zusammenspiel von Druckverteilung, Gebirge und vertikaler Luftbewegung.

Die Alpen als Barriere

Strömt feuchte Luft gegen die Alpen, wird sie zum Aufsteigen gezwungen. Beim Aufsteigen kühlt sie ab. Erreicht sie Sättigung, bilden sich Wolken und Niederschlag. Auf der Luvseite kann so eine Staulage entstehen.

Was auf der Leeseite passiert

Nachdem Luft einen Gebirgskamm überquert hat oder über Pässe und Einschnitte beschleunigt wurde, sinkt sie auf der anderen Seite ab. Beim Absinken erwärmt sich die Luft durch Kompression und wird trockener. Wolken lösen sich auf, die Sicht kann sprunghaft besser werden und die Temperatur im Tal deutlich steigen.

Südföhn und Nordföhn

Beim klassischen Südföhn strömt die Luft von Süden über den Alpenhauptkamm nach Norden. Südlich des Hauptkamms kann es gleichzeitig stauen und regnen. Beim Nordföhn läuft der Prozess umgekehrt: nördlich der Alpen Stau, südlich davon trockener, böiger Föhn.

Warum Föhn oft stürmisch wird

Der Druckunterschied über dem Gebirge treibt die Luft an. In Tälern und Pässen wird die Strömung kanalisiert und kann stark beschleunigen. Zusätzlich können Gebirgswellen und Turbulenz Böen verstärken. Deshalb kann es am Talboden zeitweise deutlich windiger sein als in benachbarten Regionen.

Föhnmauer und Föhnfenster

Typisch ist die sogenannte Föhnmauer: eine kompakte Wolkenwand am Gebirgskamm. Auf der Leeseite kann sich gleichzeitig ein blaues Föhnfenster öffnen. Dieses Nebeneinander aus Stauniederschlag und Sonne ist eines der eindrücklichsten Zeichen einer Föhnlage.

Warum Föhnprognosen anspruchsvoll sind

Ob der Föhn bis zum Talboden durchgreift, hängt von der Stabilität der Luft, der Druckdifferenz, der Windrichtung und der Talgeometrie ab. Deshalb kann ein Tal stürmischen Föhn erleben, während wenige Kilometer weiter kaum Wind ankommt.