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Österreichs Gletscher zerfallen weiter – 94 von 96 schrumpfen, Spitzenverlust über 114 Meter

Österreichs Gletscher ziehen sich weiterhin mit hoher Geschwindigkeit zurück. Der jüngste Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins für das Messjahr 2024/2025 zeigt: Von 96 untersuchten Gletschern wurden bei 94 Rückzüge festgestellt, lediglich zwei blieben in ihrer Länge annähernd unverändert. Im Mittel wurden die österreichischen Gletscher innerhalb eines Jahres 20,3 Meter kürzer.

Damit war 2024/2025 trotz eines etwas geringeren Rückzugs als im Vorjahr erneut aussergewöhnlich schlecht. Der mittlere Längenverlust liegt über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre von 19,5 Metern und ist der achthöchste Wert in der 135-jährigen Messgeschichte des Alpenvereins.

🧊 Österreichs Gletscher kompakt

  • 94 von 96 beobachteten Gletschern zogen sich 2024/2025 zurück.
  • Der mittlere Längenverlust betrug 20,3 Meter in einem Jahr.
  • Der Alpeiner Ferner verlor 114,3 Meter, das Sonnblickkees 103,9 Meter.
  • Die Pasterze am Grossglockner zog sich um rund 54 Meter zurück.

Mehr als 100 Meter Rückzug an einzelnen Gletschern

Besonders gross waren die Veränderungen am Alpeiner Ferner in den Stubaier Alpen und am Sonnblickkees in der Goldberggruppe. Der Alpeiner Ferner verlor 114,3 Meter Länge, beim Sonnblickkees waren es 103,9 Meter. Auch die Pasterze, Österreichs bekanntester und längster Gletscher am Grossglockner, zog sich erneut deutlich zurück – um rund 54 Meter.

Solche Längenmessungen zeigen allerdings nur einen Teil der Entwicklung. Gletscher verlieren gleichzeitig Fläche und Dicke, Eisströme werden langsamer und Zungen zerfallen. Wo eine Gletscherzunge auseinanderbricht oder grosse Toteisbereiche entstehen, kann die gemessene Längenänderung von Jahr zu Jahr stark schwanken, obwohl der Massenverlust weitergeht.

Die ungünstige Serie setzt sich fort

Der Alpenverein bezeichnete auch das Gletscherhaushaltsjahr 2024/2025 als extrem gletscherungünstig. Warme Perioden und eine für viele Gletscher unzureichende Schneedecke sorgten dafür, dass Eis früh im Sommer freigelegt wurde. Neuschnee kann Gletschereis während der warmen Jahreszeit kurzfristig schützen; fehlt dieser Schutz, nimmt die Schmelze durch Sonneneinstrahlung und warme Luft deutlich zu.

Die österreichischen Messreihen reichen an vielen Standorten weit zurück. Genau deshalb ist die aktuelle Entwicklung so auffällig: Nicht ein einzelnes Extremjahr, sondern eine Serie sehr negativer Jahre beschleunigt den Rückzug. Viele kleinere Eisflächen verlieren zunehmend den Zusammenhang und werden zu Restkörpern.

Was der Rückgang für Österreich bedeutet

Die Auswirkungen reichen über das Landschaftsbild hinaus. Mit dem Eis verändern sich Hochgebirgsrouten, Felsflanken werden nach dem Auftauen instabiler, und die saisonale Wasserführung alpiner Bäche verschiebt sich. Für Hüttenwege, Bergsport und Infrastruktur in hochalpinen Lagen wird die laufende Beobachtung deshalb immer wichtiger.

Die neuesten Messungen liefern keine Grundlage für die Aussage, dass jeder österreichische Gletscher schon in wenigen Jahren verschwunden sein wird. Sie zeigen aber eindeutig, dass sich der langfristige Rückgang auf breiter Front fortsetzt und die Eisreserven der österreichischen Alpen weiter schrumpfen.