Österreich erlebt am Freitag keinen einheitlichen Wettercharakter. Während sich an vielen Alpenregionen Wolken und zeitweise Regen festsetzen, bleibt Vorarlberg vergleichsweise trocken. Der Schlüssel für diesen Gegensatz ist die Nordwestströmung und die Wirkung der Alpen als Wetterscheide.
Nordwestwind drückt feuchte Luft gegen die Berge
Nach dem Tiefdruckeinfluss der vergangenen Tage kommt die Strömung zunehmend aus Nord bis Nordwest. Trifft diese Luft auf die Alpen, wird sie zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt sie ab, Wolken verdichten sich und Niederschlag kann länger anhalten als in benachbarten, geschützteren Regionen.
Deshalb können an den Nordalpen und in Teilen des östlichen Berglands am Freitag über viele Stunden tiefe Wolken und zeitweise Regen dominieren. Der Wetterdienst rechnet im Grossteil des Berglands mit vielen Wolken; in 2000 Metern liegen die Temperaturen nur etwa zwischen 4 und 10 Grad.
Vorarlberg liegt günstiger
Ausgerechnet ganz im Westen präsentiert sich die Lage freundlicher. Für Vorarlberg wird verbreitet trockenes Wetter erwartet, zeitweise kann sich dort auch die Sonne zeigen. Auch in einigen südwestlichen Bergregionen sind längere trockene Abschnitte möglich.
Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, ist aber bei einer solchen Strömung typisch: Nicht die geografische Lage «West oder Ost» allein entscheidet, sondern wie die Luft auf die jeweiligen Gebirgsketten trifft und welche Gebiete im Stau oder im Lee liegen.
Für Bergtouren ist die Sicht wichtiger als die Regenmenge
Im Gebirge können tiefe Wolken am Freitag zum entscheidenden Faktor werden. Selbst wenn nur wenig Regen fällt, können Gipfel und Übergänge längere Zeit im Nebel liegen. Dadurch werden Orientierung, Routenwahl und die Einschätzung von Distanzen schwieriger.
Dazu kommt ein mässiger, stellenweise lebhafter Nordwestwind. Auf Graten und in exponierten Lagen fühlt sich die Luft damit deutlich kühler an als im Tal. Ein grossflächiger Wintereinbruch ist daraus nicht abzuleiten; die Schneefallgrenze bleibt in vielen Regionen deutlich über den bewohnten Tallagen.
Im Osten bleibt der Freitag vielerorts trüb
Auch ausserhalb des Hochgebirges überwiegen am Freitag in vielen Regionen die Wolken, zeitweise fällt Regen. Die Tageshöchstwerte liegen meist zwischen 14 und 20 Grad. Mit etwas Sonne können vom Westen bis nach Oberkärnten lokal Werte knapp über 20 Grad erreicht werden.
Damit bleibt der Temperaturkontrast innerhalb Österreichs kleiner als der Kontrast beim Wettergefühl: trockene Sonnenfenster im Westen stehen grauen, nassen und in den Bergen teils nebligen Verhältnissen gegenüber.
Die Alpen formen den Freitag stärker als jede Frontlinie
Der Freitag ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark die Topografie Österreichs den Wetterablauf verändert. Eine relativ einheitliche Strömung kann auf kurzer Distanz ganz unterschiedliche Bedingungen erzeugen. Wer in die Berge geht, sollte deshalb nicht vom Wetter im Tal auf die Verhältnisse am Berg schliessen.
Stand: Donnerstag, 10. September 2026, 18:50 Uhr.
